Eine Diskussion der speziellen Relativitätstheorie wäre ohne das Zwillingparadoxon unvollständig. Hier kommt es: Theresa und Stella sind Zwillinge, wobei Theresa einen etwas bodenständigeren Charakter hat, mehr auf Terra verwurzelt ist, während es Stella zu den Sternen zieht. Und sie nimmt die erste Gelegenheit wahr, um mit Mr. Ypsilon, der ein Raumschiff erproben will, nach Alpha Centauri zu fliegen, das sind ca. 4 Lichtjahre. Das Raumschiff wird praktisch dauernd mit 4/5 der Lichtgeschwindigkeit fliegen, was, wenn man es nachrechnet, einen Zeitdilatationsfaktor von 3/5 gibt. Die Reise dauert also aus der Sicht von Ypsilon und Stella statt 5 nur 3 Jahre. Wenn sie zurückkommt, ist sie nur 6 Jahre älter als vorher, Theresa aber 10. Theresa grollt, als sie das hört.
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Nun ist Theresa aber nicht dumm. Sie weiß, dass sich ja die Erde bezüglich des Raumschiffs bewegt, folglich muss aus Stellas Sicht natürlich während jedes der beiden Flüge Theresa langsamer altern als Stella. Also wird sie selbst bei Stellas Rückkehr die jüngere sein!
Wenn es tatsächlich so wäre, hätten wir ein ernstes Problem: Denn nach der Rückkehr können die beiden ihre Alterungserfahrungen (oder ihre Kalender) wirklich vergleichen, und es ist nicht gleichzeitig möglich, dass auf dem Kalender von Theresa weniger Tage abgehakt sind als auf dem von Stella *und* dass auf dem von Stella weniger Tage abgehakt sind als auf dem von Theresa. Das wäre *echt* paradox, in sich widersprüchlich. Und jedes Paradoxon muss ja seine Auflösung darin finden, dass es sich als nur scheinbar paradox erweist.
Nun,
Stella lässt sich auch nicht ins Bockshorn jagen. Sie hat längst
aufgezeichnet, wie der Flug aus ihrer Sicht aussieht. Das ist das nächste
Diagramm. Während des Fluges in Richtung Centaurus vergeht für
Theresa die Zeit D t*, die tatsächlich kürzer ist als
D t', wie wieder die Maßstabshyperbel beweist. Während
des Rückfluges ist es ebenso. Aber: die beiden Zeiten schließen
sich nicht unmittelbar aneinander an, dazwischen ist eine Lücke! Denn
Stella wechselt das Inertialsystem. Sie geht beim Umkehren über vom
Bezugssystem (x' t') zum System (x" t"). Während des Umkehrvorgangs
altert aus ihrer Sicht Theresa unheimlich schnell. Nach dem Umkehren altert
sie wieder langsamer als Stella (aber sie holt den Zeitverlust bis zur
Rückkehr nicht wieder ein).
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Übrigens ist die Lücke, wie das Bild auch zeigt, abhängig von der *Entfernung* bei der Umkehr. Bei doppelt so großer Entfernung von der Erde aber gleichen Geschwindigkeitsverhältnissen wird sie doppelt so groß. Sie hat nichts mit der Stärke oder Dauer der *Beschleunigung* beim Umkehren zu tun.
Der Denkfehler ist also anzunehmen, dass die Situation der Zwillinge symmetrisch ist. Das ist sie nicht. Zwar verhalten sich die *relativen* Beschleunigungen der beiden symmetrisch zueinander, aber die von Stella ist mit einem echten Wechsel des Inertialsystems verbunden, merkbar an dem Andruck bei der Beschleunigung zwecks Bewegungsumkehr, während die von Theresa keinen Wechsel des Inertialsystems beinhaltet (als das die Erde hier näherungsweise angesehen wird). Sie merkt ja auch auf der Erde nichts von einer Bewegungsumkehr.
Hätten wir Drillinge, also etwa noch eine Ursula, die in der entgegengesetzten Richtung davonfliegt wie Stella, mit einem exakt symmetrischen Beschleunigungsprogramm, so wären bei der Rückkehr Ursula und Stella gleich alt (und beide jünger als Theresa). Dass tatsächlich Stella jünger bleibt, lässt sich ohne Rechnung nur aus dem ersten Diagramm sehen, da wir beim zweiten ja nicht unmittelbar aus der Zeichnung entnehmen können, wie groß die Summe von 2 mal D t* plus der Lücke im Vergleich zu 2 D t' ist. Das zeigt, dass es im allgemeinen einfacher ist, Physik in Inertialsystemen zu beschreiben als in Nichtinertialsystemen (das Bezugssystem von Stella ist nicht über die gesamte Dauer der Reise inertial). Inertialsysteme können auch als solche Bezugssysteme definiert werden, in denen die physikalischen Gesetze eine besonders einfache Form haben.
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